Stereo Cultura

Ein Projekt von Trialog e.V.

Studienreise: „Erkundung der polnisch-ukrainischen Grenzregion“

Im April 2008 führte eine Studienreise ins polnisch-ukrainische Grenzgebiet. Ziel der Reise war ein Erfahrungsaustausch zwischen Multiplikatoren der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit an der deutsch-polnischen und der polnisch-ukrainischen Grenze.

Der Reisebericht kann hier auf  deutsch und polnisch heruntergeladen werden.

Zitate des Monats Februar

»[In Polen] gehört [es] zum guten Ton zu behaupten, dass man nur zufällig Karriere gemacht habe und dass das Wichigste im Leben die Liebe oder das Kind sei.«
Agnieszka Graff

»Der charmante, ritterliche Mann und die würdevolle, elegante Frau – das ist ein in Polen sehr häufig gespieltes und sehr gerne gesehenes Schauspiel.«
Sławka Walczewska

»Erst dann, wenn die Frauenlobby in Polen ein Denkmal der Unbekannten Köchin errichten wird – erst dann wird man feststellen können, dass wir in einer Welt leben, in der die Frau Anerkennung und Prestige genießt.«
Alina Petrowa-Wasilewicz

Stöckelschuhverbot

Ohne Worte.

 

 

no shoes - please!

 

 

Fundort: Rolltreppe Warszawa Centralna

Gestern in Clärchens Ballhaus

Langsam wird es zur Obsession: Wo ich stehe und gehe, beobachte ich Frauen und frage mich: Ist das typisch für deutsche Frauen? Kann man da ein Stereotyp, also ein bestimmtes Merkmal, das alle haben, erkennen?

So auch gestern in Clärchens Ballhaus beim Schwoof am Donnerstag. Man muss schon zugeben, dass die Teilnehmer des Tanzkurses hölzern, mit ernsten Mienen, fast angestrengt tanzen. Aber das gilt für Mann und Frau und es war zugegebenermaßen ein Anfängerkurs.

Man muss den Deutschen ja zugestehen, dass sie nicht mit Feuer und Leidenschaft auf die Welt kommen und, dass diese kleine Gruppe immerhin lernen wollte wie man Freude durch Tanz ausdrücken kann.

Schön war es, zu sehen, wie die Pärchen versuchen sich die Schritte zu merken und wie die Herren ihre Herzensdamen anhimmeln. Und es war alles dabei: Eine große, blonde Schlanke mit Haaren bis zum Po. Viele kleine Dunkelhaarige und ein paar weitere Blonde, groß und klein. Manche burschikos, manche ganz weiblich (mit Rock oder Absatz).

Aber so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte einfach nichts Typisches entdecken. OK, alle waren eher dezent gekleidet und keine Frau hatte einen riesigen Ausschnitt. Aber sagt das aus, die deutschen Frauen seien eher verhalten und gedeckt?

Ich bleibe dran!

P.S.: Heike Makatsch war auch da. Hab sie in der ersten 3/4 Stunde gar nicht erkannt.

Welche Vorurteile haben wir eigentlich?

Da wir uns ja nun mit gegenseitigen Vorurteilen beschäftigen habe ich mich gefragt: Welche Vorturteile haben Deutsche und Polen eigentlich voneinander? Und wenn wir über Frauen reden, was denken Deutsche über polnische Frauen und was denken Polen über deutsche Frauen?

Meine erste Assoziation ist die naheliegende: Gehe ich in Polen auf die Straße fällt mir sofort auf, dass die polnischen Frauen schicker sind als deutsche sind. Daraus hat sich bei mir festgesetzt: Polinnen sind immer schick.

Doch stimmt das? Und was heißt schick? Stöckelschuhe? Rock tragen?

Für meinen Teil kann ich sagen: Polnische Frauen machen sich mehr zurecht, sie legen Wert auf ein gepflegtes Äußeres und kleiden sich auffälliger – sprich sexier – als deutsche.

Was sagt das eigentlich über sie und die Gesellschaft aus? Heißt das Polinnen müssen sich Männern mehr “anbiedern oder andienen auf dem Markt der Gefühle” indem sie sich sexy anziehen und verstecken wir (deutsche Frauen) unsere Weiblichkeit, weil wir uns für so gleichberechtigt halten, dass wir auch unsere äußeren Unterschiede und damit weiblichen Vorzüge lieber hinter einer Mannsweib-Fassade verbergen.

Viele Fragen, auf die ich mit Stereo Cultura Antworten zu finden hoffe.

Untersuchungsgegenstand “Die polnische Frau”

Hat man einmal mit Stereo Cultura angefangen, lässt es einen nicht mehr los. Kaum in Polen angekommen, suchen meine Blicke auf dem Breslauer Bahnhof automatisch nach dem Unterschied, dem kleinen aber feinen Unterschied zwischen deutschen und polnischen Frauen.

Und ja, es gibt ihn.

Es gibt sie, die globaliserten, EUropäsierten H&M-Mädchen und Zara-Schnitten, mit scheinbar nachlässig zusammengebundenem Haar und flachen Sportschuhen, die wie die Berliner Frauen aussehen. Aber es gibt hier auch die Frauen, denen jeder Orthopäde dringend raten würde die Schuhe zu wechseln, weil die Absätze so mörderisch hoch sind.

Insgesamt sind die Frauen in Polen einfach viel mehr zurecht gemacht. Besonders auffällig ist das in Shopping Centern, wo man Frauen trifft, von denen man denkt sie gehen gleich auf eine Galaparty.

Aber ich bin nur froh, dass wir Frauen und nicht Männer untersuchen, denn die vielen Schnurrbarträger und Jogginghosenliebhaber sind zwar leicht als Polen zu identifizieren, aber nicht besonders schön anzuschauen…

Polnische Wahlen in Berlin – ein Augenzeugenbericht

Wenn ich gewusst hätte, was die polnischen Wahlen in Berlin für ein Spektakel sind, hätte ich eine Kamera mitgenommen. Eine kleine Vorahnung hatte ich schon, als wir losfuhren, aber sie wurde weit übertroffen, denn schon beim Aussteigen am S-Bahnhof Grunewald, wo die polnische Botschaft ist, hörten wir nur noch eine Sprache: Polnisch. Alle wollten wählen. Toll.

Und dann haben Arek und ich mehr als 2 Stunden in einer Warteschlange zwischen all diesen prachtvollen Häusern (es gibt da eigentlich nur zwei Kategorien, entweder die fantastischsten Gründerzeitpaläste oder schreckliche 60er-Jahre Bungalows) verbracht. Die Schlange vor dem Wahllokal sprich der polnischen Botschaft war ungefähr 4 Villen lang – und im Grunewald sind die Villen groß, sehr groß. Es wäre der perfekte Ort für Stereo Cultura gewesen. Nicht nur das es einen Haufen Polen gab, nein, es gab polnische Frauen en masse: alt und jung, normal und aufgebrezelt, Oberschicht und Unterschicht, schön und hässlich. Es wäre das reinste Paradies für Interviews gewesen, da sich ja alle gelangweilt haben und uns bestimmt gerne ihre Zeit für ein Interview gegeben hätten um uns fragen zu beantworten. Auf jeden Fall bin ich wieder einmal mehr überzeugt, dass der Film das richtige Thema hat. Bei meinen letzten Besuchen in Polen, kamen mir Zweifel, ob denn die polnischen Frauen wirklich so anders sind, denn in Breslau auf der Strasse sehen die auch aus wie in Berlin. Aber gestern waren sie wieder da: die Stilettoschuh-Mädchen mit Hut und die älteren Damen mit sehr blonden Haaren, Pseudopelzjacken und dünnen, dünnen Vogue-Zigaretten. Ein Klischee jagte das nächste. Einfach fantastisch, denn sonst gehen diese einmaligen Exemplare wahrscheinlich in der Symphonie der Großstadt unter, aber jetzt sah ich sie alle auf einem Fleck und war mir sicher: Stereo Cultura wird ein Erfolg!

P.S.1: Uff, die Wahl ging gut aus. Jaroslaw Kaczynski und die PiS haben einen Denkzettel erhalten.

P.S.2: Noch eine kleine, wenn auch abseitige Geschichte: der polnische Wähler ist ja auch mal hungrig und auf der Suche nach Nahrung, fand ich einen Conditor (mit c! und einfache Bäcker gibt es im Grunewald nicht, eben nur Feinbäcker; wenn man was richtiges essen will, muss man wahrscheinlich gleich ins Kadewe fahren…). Nachdem ich dort erfolgreich ein Kartoffelbrötchen erstanden hatte und die Konditoreifachverkäuferin sich bestimmt schon über die vielen Ausländer mit östlichem Akzent gewundert hat, ging ich einen neuentdeckten Schleichweg zurück zur Botschaft und (sportlich, sportlich) kam mir unser Bundesinnenminister Schäuble auf einem Liegerad (mit Bodyguards auf Damenrädern, bestimmt damit man schneller absitzen kann) entgegen.